Forschung


Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt ist für einige der bedeutendsten Denkmale und Kunstschätze des Landes verantwortlich. Unsere Burgen, Schlösser, Dome und Kirchen spiegeln in vielfältigen Facetten mehr als 1200 Jahre Geschichte Mitteldeutschlands. Dazu gehören nicht nur die historischen Gebäude selbst, sondern auch Teile der originalen Einrichtung und einzigartige Sammlungsbestände von größtem wissenschaftlichem Interesse.

Eine Hauptaufgabe der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt ist deshalb die Erforschung dieser Denkmale und ihrer Ausstattung. Im Mittelpunkt steht zum einen die Geschichte der einzelnen Häuser, ihr Entstehen, ihre Nutzung und die vielfältigen Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte. Die Bauwerke waren zugleich Lebens- und Wirkungsorte vieler Menschen sowie Schauplätze wichtiger historischer Ereignisse. Zum anderen ist der Fokus auf die Beschäftigung mit den Kunst- und Kulturschätzen in den Sammlungen gerichtet, deren Schwerpunkte vom Mittelalter bis in die Moderne reichen.

Diese anspruchsvolle Aufgabe verlangt nach einer intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit. Wichtige wissenschaftliche Kooperation sind entstanden und werden in Zukunft weiter ausgebaut. Publikationen und Ausstellungen vermitteln die neu gewonnenen Erkenntnisse der Öffentlichkeit. Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt lädt Sie ein, Kunst-, Kultur- und Landesgeschichte gemeinsam am authentischen Ort zu erforschen!

„Wissenschaftliches Notsicherungskonzept für die Chorpfeilerskulpturen im Halberstädter Dom“

Zur ursprünglichen mittelalterlichen Ausstattung im Halberstädter Dom zählen auch 14 Pfeilerfiguren im Hohen Chor. Die farbig gefassten Steinskulpturen entstanden vermutlich zwischen 1425 und 1475. Bei restauratorischen Arbeiten stellte man 2014 ihren kritischen Erhaltungszustand fest. Vor allem die Farbfassungen sind stark geschädigt und teilweise gefährdet.

Unterschiedliche Gründe haben dazu geführt: Die klimatisch stark schwankenden Umgebungsbedingungen im Kircheninnenraum beförderten diesen Prozess ebenso wie die negativen Umwelteinflüsse, die eine Folge der Beschädigungen des Doms im Zweiten Weltkrieg waren. Nicht zuletzt haben die mangelnden restauratorischen Maßnahmen seit dem 19. Jahrhundert zu dieser Verschlechterung geführt.

Nach einer umfangreichen Bestandsaufnahme wurde nun ein interdisziplinäres Forschungsprojekt begonnen, um die fragilen Farbauflagen der mittelalterlichen Skulpturen zu erhalten.  Dabei kommen innovative Technologien in den Restaurierungswissenschaften zur Anwendung, die an den Chorskulpturen modellhaft erprobt und weiterentwickelt werden.

Laufzeit:
2016–2019
Fördermittelgeber:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Projektleitung:
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Partner:
Institut für Diagnostik u. Konservierung an Denkmalen in Sachsen u. Sachsen-Anhalt e. V. (IDK)
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Dipl. Rest. Corinna Grimm Remus, Magdeburg
Bauhausuniversität Weimar; Fakultät Bauingenieurwesen
Professur Modellierung und Simulation – Konstruktion
Wissenschaftlicher Beirat:
Technische Hochschule Köln
Fachhochschule Potsdam

„Inventarisierung des Halberstädter Domes“

Der Halberstädter Dom zählt zu den herausragenden gotischen Großbauten des Mittelalters. Er war Hauptkirche des ältesten Missionsbistums, das Karl der Große an der Ostgrenze des fränkischen Reiches einrichten ließ. Als einziges mitteldeutsches Bistum unterstand Halberstadt nicht dem Erzbistum Magdeburg, was sich auch in der künstlerischen Ausstattung niederschlug.

Nach den karolingischen und ottonischen Vorgängerbauten entstand seit dem 13. Jahrhundert ein gotischer Dom, dessen feierliche Schlussweihe 1491 erfolgte. Sein Innenraum verfügt über eine Vielzahl architektonischer Einbauten und bedeutender Skulpturen aus Holz und Stein. Weltberühmt sind das Triumphkreuz aus dem beginnenden 13. Jahrhundert oder der mittelalterliche Domschatz Halberstadts.

Seit Januar 2016 wird eine vollständige Neuerfassung des Doms und seiner Nebengebäude vorgenommen. Ziel ist eine aktuelle, wissenschaftlich fundierte Darstellung von Architektur und Ausstattung, die in einer zweibändigen Publikation erscheinen wird.

Laufzeit:
2017–2022
Fördermittelgeber:
Land Sachsen-Anhalt
Projektleitung:
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Projektbearbeitung:
Dr. Heiko Brandl und Anja Seliger
Partner:
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Europäisches Romanik Zentrum e. V.

„Bestandskatalog der Halberstädter Paramente bis zur Säkularisation“

Innerhalb des Domschatzes stellen die Paramente – im Kirchenraum und bei religiösen Zeremonien verwendete Textilien – die zahlenmäßig größte Objektgruppe dar. Einzelstücke wie die romanischen Bildwirkereien besitzen Weltrang und zählen zu den unumstrittenen Höhepunkten eines jeden Domschatzbesuches.

Die überwiegende Mehrheit der liturgischen Textilien dagegen ist ungeachtet ihrer oftmals qualitätvollen Ausführungen und besonderen Vielfalt bis auf wenige Ausnahmen  weitgehend unerforscht. Ihre wissenschaftliche Erschließung ist daher von allerhöchstem Interesse für Wissenschaft und Allgemeinheit.

Dieses Ziel verfolgt eine mehrjährige institutionsübergreifende Kooperation. Die Projektleitung liegt beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, das sich über Jahrzehnte mit der Erforschung des Paramentenschatzes beschäftigt hat. Mit Drucklegung der Ergebnisse wird erstmals ein wissenschaftlicher Bestandskatalog der Halberstädter Paramente vorliegen. Er beschreibt nicht nur deren Gesamtheit, sondern auch die Einzigartigkeit dieser Objektgattung für Halberstadt und weit darüber hinaus.

Laufzeit:
seit 2011
Fördermittelgeber:
Projektleitung und Kooperationspartner
Projektleitung:
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Projektbearbeitung:
Barbara Pregla
Partner:
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Abegg-Stiftung
Evangelisches Kirchspiel Halberstadt

Die Moritzburg in Halle als zentrales Sammellager für enteignetes Kunst- und Kulturgut

Am 3. September 1945 erließ die Landesverwaltung der Provinz Sachsen eine Verordnung über die Bodenreform. Die damit angestrebte „Liquidierung des feudal-junkerlichen Großgrundbesitzes“ sollte die „Herrschaft der Junker und Großgrundbesitzer“ beseitigen. In der Provinz Sachsen wurden daraufhin über 2.200 Güter enteignet. Die Besitzer waren meist geflohen oder ausgewiesen worden. Das in den Schlössern und Gutshäusern zurückgelassene Inventar – Kunstwerke wie Gemälde und Skulpturen, aber auch Möbel, Waffen, Bibliotheken und Archive – galt nun als „herrenlos“. Um es vor Zweckentfremdung, Zerstörung und Diebstahl zu schützen, wurde es zunächst unter den besonderen Schutz der Provinz gestellt, in Sammeldepots eingelagert und dort magaziniert. Das Hauptdepot für diese „Kulturgutsicherstellung“ in der Provinz Sachsen/Land Sachsen-Anhalt befand sich in der Moritzburg in Halle (Saale), die Schlösser in Wernigerode und Beichlingen dienten als dessen Außenstellen.

Weitere Informationen

Projektleitung:
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Partner:
Deutsches Zentrum Kulturgutverluste

„Inventarisierung des Magdeburger Domes“

Der Dom St. Mauritius und St. Katharina ist der bedeutendste Sakralbau in Sachsen-Anhalt und die größte im ausgehenden Mittelalter vollendete erzbischöfliche Kirche in Deutschland. Der von Kaiser Otto dem Großen begründete Dom wurde nach einem Brand 1207 durch einen vollständigen Neubau ersetzt, dessen Architektur und Skulptur eindrucksvoll den Übergang zur Gotik dokumentieren. Die feierliche Schlussweihe vollzog Erzbischof Dietrich im Jahr 1363. Die zweitürmige Westfassade fand 1520 unter Kardinal Albrecht von Brandenburg ihre Vollendung. Das seit 1567 protestantische Gotteshaus prägt bis heute die Silhouette der Landeshauptstadt.

Ein Inventarbuch zum Magdeburger Dom bildete lange Zeit ein Wunschtraum der Forschung. Daher vereinbarten die Kooperationspartner eine vollständige Neuerfassung von Architektur und Ausstattung. Mit dem zweibändigen Werk über den Dom zu Magdeburg liegt seit 2011 die erste vollständige wissenschaftliche Würdigung von Architektur und Ausstattung der Kathedrale vor. Forschung und Denkmalpflege verfügen nun über ein solides Fundament für künftige Arbeiten.

Laufzeit:
2005–2009
Fördermittelgeber:
Land Sachsen-Anhalt
Projektleitung:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Kunstgeschichte, Prof. Dr. Wolfgang Schenkluhn
Projektbearbeitung:
Dr. Heiko Brandl und Dr. Christian Forster
Partner:
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Publikation:
Heiko Brandl/Christian Forster, Der Dom zu Magdeburg. Band. 1: Architektur. Band. 2: Ausstattung (Regensburg 2011).
ISBN 978-3-7954-2462-6

„Bestandskatalog Halberstädter Handschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit“

Obwohl der Halberstädter Domschatz zu den bedeutendsten mittelalterlichen Kirchenschätzen gehört, enthält seine wissenschaftliche Erschließung bis heute große Forschungslücken. Eine davon wurde nun für die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften geschlossen.

Im Domschatz sind 39 Werke dieser Gattung überliefert, im Historischen Stadtarchiv Halberstadt sind es 40. In einem institutionsübergreifenden Forschungsprojekt wurde federführend durch die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel eine Neubeschreibung und wissenschaftliche Bewertung der Handschriften gemäß den Richtlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vorgenommen. Sie ersetzt die von Gustav Schmidt bereits 1878/81 veröffentlichte Katalogisierung der Halberstädter Handschriften.

Laufzeit:
2007–2018
Fördermittelgeber:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Projektleitung:
Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel
Projektbearbeitung:
Dr. Patrizia Carmassi
Partner:
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Stadt Halberstadt
Evangelisches Kirchspiel Halberstadt
Publikation:
Patrizia Carmassi, Katalog der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften in Halberstadt. Verzeichnis der Bestände der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Domschatz zu Halberstadt, und des Historischen Archivs der Stadt Halberstadt (Wiesbaden 2018).
ISBN 978-3-447-10981-9

„Modellhaftes, praxisorientiertes Evaluierungs- und Strategieprogramm zur präventiven Konservierung von national wertvollem Kunst- und Kulturgut am Beispiel des Halberstädter Domschatzes“

Der Erhalt von Denkmalen und Kunstwerken ist eine permanente Verpflichtung. Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt setzt dabei vielfach auf die Methodik der „präventiven Konservierung“. Dabei handelt es sich um vorbeugende und substanzschonende, auf Langfristigkeit und Kontinuität ausgerichtete Maßnahmen und Betreuungskonzepte. Diese sollen potentielle Schadensfaktoren an Bauwerken und ihrer Ausstattung bereits frühzeitig erkennen und nach Möglichkeit unterbinden.

Ein Anwendungsbeispiel ist der Halberstädter Domschatz. Die Kulturstiftung hat hier ein interdisziplinäres Betreuungsmodell mit externen Spezialisten aufgebaut, das Restauratoren für die wichtigsten Objektgruppen und Fachwissenschaftler zusammenführt. Dazu gehören außerdem grundlegende und nachhaltige Verbesserungen der Aufbewahrungsbedingungen. Die Wiedereröffnung des Domschatzes in neuer Präsentation im April 2008 war ein wichtiger Meilenstein in diesem Prozess.

Im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojektes wurden die bislang durchgeführten Maßnahmen überprüft, weitere Optimierungsmöglichkeiten untersucht und ein gezieltes Pflegekonzept für den Domschatz entwickelt, das langfristig aufrecht erhalten werden kann.

Den ausführlichen Abschlussbericht finden Sie hier.

Laufzeit:
2011–2015
Fördermittelgeber:
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Projektleitung:
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
Projektbearbeitung:
Dr. Katrin Tille
Partner:
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt
Evangelischer Kirchenkreis Halberstadt
Publikation:
Christian Philipsen/Katrin Tille (Hrsg.), Modellhaftes praxisorientiertes Evaluierungs- und Strategieprogramm zur „Präventiven Konservierung“ von national wertvollem Kunst- und Kulturgut am Beispiel des Halberstädter Domschatzes. Projektzeitraum 2012–2016 (Gommern 2016).
ISBN 978-3-00-055525-1

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. Katrin Tille
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Kulturstiftung Sachsen-Anhalt | Dienststelle Stolbergsche Kurie
Domplatz 33 a
38820 Halberstadt
T: +49 3941 56749-11
katrin.tille@kulturstiftung-st.de